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Planung Fortgeschritten · Zuletzt aktualisiert: 29.10.2026

PV-Großanlage

Als PV-Großanlage gelten Solaranlagen, die oberhalb der Schwellen des EEG betrieben werden: ab 100 kW Direktvermarktungspflicht, ab 1 MW Teilnahme an Ausschreibungen, bis 50 MW je Gebot. Freiflächenanlagen stellen mit 47,2 GW rund 36 Prozent der deutschen PV-Leistung und 54 Prozent des Zubaus der letzten zwölf Monate. Der Beitrag erklärt Schwellen, Genehmigung nach BauGB, Netzanschluss, Flächenbedarf und zeigt die größten Anlagen im Marktstammdatenregister.

Was ist eine PV-Großanlage?

Eine gesetzliche Definition der PV-Großanlage existiert nicht. Was als groß gilt, ergibt sich aus den Schwellen, ab denen das EEG andere Regeln anwendet, und aus der Bauart: Freiflächenanlagen auf Äckern, Konversionsflächen oder entlang von Verkehrswegen werden fast immer im Megawattbereich geplant, Dachanlagen auf Logistikhallen und Industriegebäuden erreichen einige hundert Kilowatt bis wenige Megawatt.

SchwelleRechtsfolgeGrundlage
ab 100 kWPflicht zur Direktvermarktung, keine feste Einspeisevergütung mehr§ 21 EEG
ab 1 MWFörderung nur über Ausschreibung (Freifläche: erstes Segment, Gebäude: zweites Segment)§ 22 EEG
bis 50 MWmaximale Gebotsgröße je Freiflächenprojekt in der Ausschreibung (bis Solarpaket I: 20 MW)§ 37 EEG
ab 20 MWin der Regel Anschluss an die Hochspannungsebene (110 kV) statt MittelspannungNetzbetreiberpraxis

Oberhalb von 100 kW verkauft ein Direktvermarkter den Strom an der Börse; der Betreiber erhält die Marktprämie als Differenz zum anzulegenden Wert. Oberhalb von 1 MW muss dieser Wert in den EEG-Ausschreibungen ersteigert werden. Viele Großanlagen verzichten inzwischen auf die EEG-Förderung und verkaufen den Strom über ein PPA.

Freifläche oder Dach

Beide Bauarten folgen unterschiedlichen Regeln, Kosten und Genehmigungswegen.

MerkmalFreiflächenanlageGroße Dachanlage
Typische Größe1 bis 100 MW, Ausnahmen bis über 600 MW100 kW bis 5 MW
GenehmigungBauleitplanung der Gemeinde oder Privilegierung nach § 35 BauGBBaugenehmigung nach Landesbauordnung, oft verfahrensfrei
Ausschreibungerstes Segment, Flächenkulisse nach § 37 EEGzweites Segment, ab 1 MW
Zuschlagswert Juli 20264,79 ct/kWh im Mittel (3,99 bis 5,10 ct/kWh im März 2026)höher, eigener Höchstwert
NetzanschlussMittelspannung, ab etwa 20 MW HochspannungNiederspannung bis 100 kW, darüber Mittelspannung
Spezifische Kostenniedrigste Stromgestehungskosten aller PV-Segmentehöher durch Dachstatik, Brandschutz, Kabelwege

Die Freiflächenanlage ist das Segment mit den niedrigsten Stromgestehungskosten in Deutschland. Die Bundesnetzagentur erteilte in der Juli-Runde 2026 Zuschläge zwischen 4,38 und 4,97 ct/kWh bei einem Höchstwert von 5,90 ct/kWh.

Genehmigung von Freiflächenanlagen

Freiflächenanlagen liegen fast immer im Außenbereich nach § 35 BauGB, in dem Bauvorhaben nur zulässig sind, wenn sie privilegiert sind oder die Gemeinde Baurecht schafft. Für Photovoltaik gibt es seit 2023 zwei Wege:

  1. Privilegierung nach § 35 Abs. 1 Nr. 8b BauGB: Anlagen in einem Korridor von 200 Metern entlang von Autobahnen und zweigleisigen Schienenwegen sind ohne Bebauungsplan zulässig. Dasselbe gilt für Agri-PV-Anlagen bis 2,5 Hektar auf landwirtschaftlichen Betriebsflächen (Nr. 9).
  2. Bauleitplanung: Außerhalb der Korridore stellt die Gemeinde einen Bebauungsplan auf, meist als Sondergebiet Photovoltaik, und ändert den Flächennutzungsplan. Das Verfahren dauert ein bis drei Jahre und umfasst Umweltprüfung, Artenschutz und Beteiligung der Öffentlichkeit.

Unabhängig vom Baurecht legt § 37 EEG fest, welche Flächen in der Ausschreibung förderfähig sind: Konversionsflächen, versiegelte Flächen, Seitenrandstreifen bis 500 Meter entlang Autobahnen und Schienen sowie Acker- und Grünland in benachteiligten Gebieten, sofern das jeweilige Bundesland diese nicht per Verordnung ausgeschlossen hat. Weitere Hinweise zum Verfahren stehen unter Baurecht PV.

Netzanschluss

Der Netzanschluss ist bei Großanlagen der kritische Pfad. Bis etwa 20 MW schließt der Verteilnetzbetreiber die Anlage an die Mittelspannung (10 bis 30 kV) an, meist über ein eigenes Umspannwerk oder eine Übergabestation am Netzverknüpfungspunkt. Größere Parks benötigen einen Anschluss an die 110-kV-Ebene, Projekte ab einigen hundert Megawatt ein eigenes Umspannwerk zur Höchstspannung; Witznitz speist über ein neu gebautes 380-kV-Umspannwerk in das Netz von 50Hertz ein. Wartezeiten von zwei bis vier Jahren für Kapazitätszusagen sind in vielen Regionen üblich; die flexible Netzanschlussvereinbarung soll das ab 2026 beschleunigen.

Flächenbedarf

Mit Modulen von 550 Wp und mehr liegt der Flächenbedarf moderner Freiflächenanlagen bei 0,8 bis 1 Hektar je MWp. Fraunhofer ISE beziffert den Bedarf für das Ausbauziel 2030 auf einen Bruchteil der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland. Ältere Parks aus den 2010er-Jahren mit Modulen um 250 Wp brauchten 1,5 bis 2 Hektar je MW. Agri-Photovoltaik mit größeren Reihenabständen oder vertikalen Modulen liegt wieder höher, erhält aber die landwirtschaftliche Nutzung.

Großanlagen in Deutschland nach MaStR

Unsere Auswertung des Marktstammdatenregisters mit Datenstand 27. Oktober 2026 zeigt das Gewicht der Großanlagen:

SegmentAnlagen in BetriebLeistungZubau Nov. 2025 bis Okt. 2026Veränderung zum Vorjahr
Freifläche (alle Größen)19.90147,2 GW2.128 Anlagen, 9,49 GW+24 %
Dach über 30 kWp283.03235,0 GW13.970 Anlagen, 2,43 GW−33 %
Dach bis 30 kWp4.487.94647,7 GW416.582 Anlagen, 4,90 GW−9 %

Freiflächenanlagen stellen 0,3 Prozent der Anlagen, aber 36 Prozent der installierten Leistung von 131,7 GW. Im Zubau der letzten zwölf Monate liegt ihr Anteil bei 54 Prozent; die durchschnittliche neue Freiflächenanlage hat 4,5 MW. Das Gewerbedach ist dagegen das einzige Segment mit zweistelligem Rückgang.

Die größten Einzeleinheiten im Register, alle als Freiflächenanlage registriert:

RangLeistungGemeindeLandkreisInbetriebnahme
1162,3 MWBöhlenLeipzig (Sachsen)Februar 2024
2153,1 MWNeuhardenbergMärkisch-Oderland (Brandenburg)Februar 2022
3151,0 MWNeutrebbinMärkisch-Oderland (Brandenburg)Februar 2022
4144,8 MWNeukieritzschLeipzig (Sachsen)März 2024
5109,7 MWNeukieritzschLeipzig (Sachsen)Dezember 2023
6102,3 MWCalvördeBörde (Sachsen-Anhalt)August 2025
788,7 MWBarninLudwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern)Dezember 2021
886,9 MWKetzin/HavelHavelland (Brandenburg)November 2025

Die Einheiten in Böhlen und Neukieritzsch gehören nach unserer Zuordnung zum Energiepark Witznitz auf dem ehemaligen Braunkohletagebau südlich von Leipzig, der mit 605 MW und rund 1,1 Millionen Modulen seit März 2024 vollständig am Netz ist. Die Einträge in Neuhardenberg und Neutrebbin sind die EnBW-Parks Gottesgabe und Alttrebbin, die ohne EEG-Förderung errichtet wurden. Die 100 größten Einheiten im Register beginnen bei 31,2 MW; die vollständige Liste steht in unserem Ranking der größten Anlagen.

Einordnung

Großanlagen tragen den Zubau, während Dachanlagen seit 2025 nachlassen. Ihr Schwerpunkt liegt in Ostdeutschland und Bayern, wo Flächen verfügbar und Netzknoten der stillgelegten Kohlekraftwerke frei sind. Mit dem EEG 2027 verschiebt sich die Finanzierung weiter von der Ausschreibung zu PPA und Spotmarkt, was den Druck auf günstige Flächen und schnelle Netzanschlüsse erhöht. Die Verteilung nach Anlagengrößen in Ihrer Region zeigen die Landkreis- und Gemeindeseiten.

Häufige Fragen

Ab welcher Leistung gilt eine PV-Anlage als Großanlage?

Eine feste Definition gibt es nicht. Das EEG setzt drei Schwellen: Ab 100 kW muss der Strom direkt vermarktet werden, ab 1 MW ist eine Förderung nur über die Ausschreibungen der Bundesnetzagentur möglich, und ein einzelnes Gebot darf bis zu 50 MW umfassen. In der Praxis bezeichnet man Freiflächenanlagen ab 1 MW und Dachanlagen ab einigen hundert Kilowatt als Großanlagen.

Wie viel Fläche braucht eine Freiflächenanlage?

Mit aktuellen Modulen rund 0,8 bis 1 Hektar je MWp. Ältere Anlagen aus den 2010er-Jahren brauchten 1,5 bis 2 Hektar je MW. Der Energiepark Witznitz südlich von Leipzig erreicht mit 605 MW auf rund 500 Hektar 0,83 Hektar je MW. Agri-PV und aufgeständerte Anlagen mit größeren Reihenabständen liegen höher.

Wo ist die größte PV-Anlage Deutschlands?

Der Energiepark Witznitz im Landkreis Leipzig mit 605 MW, seit März 2024 vollständig am Netz. Im Marktstammdatenregister ist er in mehrere Einheiten aufgeteilt; die größte Einzeleinheit in Böhlen hat 162 MW. Es folgen die EnBW-Solarparks Gottesgabe und Alttrebbin im Landkreis Märkisch-Oderland mit je rund 150 MW, in Betrieb seit 2022.
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