Zum Inhalt springen
Solarzubau Deutschland Logo
Technik Einsteiger · Zuletzt aktualisiert: 29.10.2026

Solarzaun: Ertrag, Kostenfaktoren, Genehmigung, Netzanschluss

Ein Solarzaun (Zaun-PV, PV-Zaun) besteht aus senkrecht aufgestellten bifazialen Glas-Glas-Modulen, die zugleich als Grundstückseinfriedung dienen. In Ost-West-Ausrichtung liefern sie pro kWp rund 70 bis 90 Prozent des Ertrags einer Süddachanlage, verteilt auf eine Morgen- und eine Abendspitze mit flacher Mittagsdelle. Einfriedungen bis 2 Meter sind in den meisten Landesbauordnungen im Innenbereich verfahrensfrei, Netzanschluss und MaStR-Registrierung laufen wie bei einer Dachanlage. Im Marktstammdatenregister sind rund 6.500 Freiflächenanlagen unter 30 kWp registriert, das statistische Zuhause der Solarzäune.

Funktionsweise

Ein Solarzaun (auch Zaun-PV oder PV-Zaun) ersetzt die Füllung eines Zauns durch senkrecht stehende Photovoltaikmodule. Pfosten, Fundament und Verkabelung bilden die Einfriedung, die Module liefern Strom und Sichtschutz. Anders als Dach- oder Freiflächenanlagen trifft das Sonnenlicht nur in flachem Winkel auf die Modulfläche; deshalb werden fast ausschließlich bifaziale Module in Glas-Glas-Bauweise eingesetzt, die auf Vorder- und Rückseite Strom erzeugen.

KomponenteÜbliche Auslegung
ModuleBifaziale Glas-Glas-Module, 430 bis 550 Wp, Bifazialitätsfaktor 70 bis über 90 %
AufstellungHochkant (Modul 1,1 m breit, 2,3 m hoch) oder quer (2,3 m breit, 1,1 m hoch)
AusrichtungModulflächen nach Ost und West, Zaunverlauf Nord-Süd
Leistung je Meterrund 190 Wp (quer) bis 400 Wp (hochkant)
WechselrichterBis 800 W Mikrowechselrichter, darüber String-Wechselrichter wie bei einer Dachanlage
UnterkonstruktionAlu- oder Stahlpfosten, Punktfundamente oder Rammpfähle, Klemmhalter für rahmenlose Module

Die Ost-West-Ausrichtung ist der Normalfall: Die Ostseite arbeitet am Vormittag, die Westseite am Nachmittag, beide erhalten diffuses Licht und Bodenreflexion. Ein Zaun mit Südseite nutzt nur eine Modulseite voll und verliert im Sommer mittags durch den steilen Sonnenstand.

Ertrag: vertikal gegen Dach

Fraunhofer ISE beziffert den Jahresertrag einer vertikalen Südfläche auf rund 29 Prozent unter einem Süddach mit 45 Grad Neigung. Für senkrechte bifaziale Ost-West-Module nennt das Institut Vollbenutzungsstunden in der Größenordnung von 2.000 bei hohem DC/AC-Verhältnis des Wechselrichters, weil die dominante Mittagsspitze fehlt. Für die Praxis am Zaun ergibt das folgende Einordnung pro kWp, bezogen auf ein optimal geneigtes Süddach am selben Standort:

AufstellungJahresertrag je kWpTagesprofil
Vertikal Süd, monofazialrund 70 %Mittagsspitze, flacher Sommer-Winter-Unterschied
Vertikal Ost-West, bifazial, dunkler Boden75 bis 85 %Morgen- und Abendspitze, Mittagsdelle
Vertikal Ost-West, bifazial, heller Boden oder Schnee85 bis 90 %Wie oben, höherer Rückseitenanteil
Vertikal Nord-Süd (Flächen nach Nord und Süd)55 bis 65 %Nur eine Seite produktiv

Der Wert hängt an drei Größen: Bifazialitätsfaktor des Moduls, Albedo des Bodens (Rasen rund 20 Prozent, Kies 30 Prozent, Schnee über 70 Prozent) und Verschattung durch Hecken, Gebäude oder Pfosten. Der eigentliche Vorteil ist das Tagesprofil: Nach Fraunhofer ISE und HTWK Leipzig erzeugen vertikale Ost-West-Module bei direkter Sonne vormittags und nachmittags deutlich mehr als mittags. Für den Eigenverbrauch fällt der Strom näher an den Lastspitzen eines Haushalts an, bei negativen Börsenpreisen um die Mittagszeit entfällt weniger Erlös als bei einer Südanlage. Im Winter trifft die flach stehende Sonne die senkrechte Fläche günstiger als ein Flachdach, und Schnee bleibt kaum liegen.

Pro laufendem Meter mit hochkant stehenden 450-Wp-Modulen sind bei 700 bis 950 kWh/kWp etwa 280 bis 380 kWh im Jahr zu erwarten, quer montiert rund die Hälfte.

Höhe, Statik, Windlast

Ein Solarzaun ist eine geschlossene Wand mit großer Angriffsfläche. Die Windlast ist nach DIN EN 1991-1-4 mit Nationalem Anhang zu bemessen; Windzone, Geländekategorie, Zaunhöhe und die Eck- und Endfelder bestimmen Pfostenprofil, Pfostenabstand und Fundament. Systemanbieter liefern Typenstatiken, beim Eigenbau auf Stabmattenpfosten fehlt dieser Nachweis. Hinzu kommen Erdung und Potenzialausgleich der Metallkonstruktion sowie der Berührschutz der Verkabelung an einer öffentlich zugänglichen Fläche.

Genehmigung

Baurechtlich ist ein Solarzaun eine Einfriedung mit Solaranlage. Die Musterbauordnung stellt in § 61 Abs. 1 Nr. 7 Mauern und Einfriedungen bis 2 Meter Höhe außerhalb des Außenbereichs verfahrensfrei; gebäudeunabhängige Solaranlagen sind nach Nr. 3 bis 3 Meter Höhe und 9 Meter Gesamtlänge freigestellt. Nach § 6 Abs. 8 MBO dürfen Solaranlagen bis 3 Meter Höhe und 9 Meter Länge je Grundstücksgrenze in den Abstandsflächen stehen, geschlossene Einfriedungen bis 2 Meter ohnehin. Die Länder haben diese Regeln unterschiedlich übernommen; Bayern (Art. 57 BayBO) und Nordrhein-Westfalen (§ 62 BauO NRW) weichen in Höhen und Längen ab, deshalb gilt immer die Landesbauordnung des Standorts.

PrüfpunktWas gilt
Innenbereich, bis 2 m HöheIn der Regel verfahrensfrei, Bauvorschriften gelten trotzdem
Höher als 2 m oder Außenbereich (§ 35 BauGB)Bauantrag erforderlich, im Außenbereich ist ein Solarzaun nicht privilegiert
Bebauungsplan oder EinfriedungssatzungKann Höhe, Material, Lage und Sichtschutz vorschreiben
NachbarrechtGrenzabstände und Einfriedungspflichten nach Landesnachbarrecht, Zustimmung ersetzt keine Prüfung
BlendungBei Lage an Straßen oder Nachbarfenstern Blendgutachten einplanen
Denkmalschutz, OrtsgestaltungGestaltungssatzungen prüfen

Mehr zum Rahmen im Beitrag Baurecht für PV.

Netzanschluss und EEG-Vergütung

Netzseitig gilt dasselbe wie für eine Dachanlage: Anmeldung beim Netzbetreiber vor Baubeginn, Wechselrichter nach VDE-AR-N 4105, Registrierung im Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Bis 800 Watt kann ein Solarzaun als Steckersolargerät betrieben werden.

Für die EEG-Einordnung ist das Votum 2023/21-I der Clearingstelle EEG|KWKG vom 4. Januar 2024 maßgeblich. Ein rund 2 Meter hoher, einbetonierter Stabgitterzaun mit Modulen ist danach eine sonstige bauliche Anlage im Sinne von § 48 Abs. 1 EEG, wenn der Zaun vorrangig als Einfriedung und Sichtschutz errichtet wurde und auch ohne Photovoltaik in vergleichbarer Form entstanden wäre. Der Netzbetreiber hatte die Vergütung verweigert, weil er eine Freiflächenanlage ohne Bebauungsplan sah; die Clearingstelle widersprach. Ein Modulzaun, der nur zur Stromerzeugung aufgestellt wird, erfüllt diese Voraussetzung nicht automatisch und kann als Freiflächenanlage gelten, die nur auf Flächen nach § 37 EEG vergütungsfähig ist. Zwei Anlagen auf demselben Grundstück dürfen nach § 24 Abs. 3 EEG über einen gemeinsamen Zähler abgerechnet werden.

Kostenfaktoren

Die Kosten je laufendem Meter streuen stark. Treiber sind die Modulgröße und Montageart (hochkant verdoppelt Leistung und Modulzahl je Meter), das Pfostensystem (Aluminium-Systemprofil gegen Stabmattenpfosten), Fundamente oder Rammpfähle, die Kabelführung über die gesamte Zaunlänge, der Wechselrichter und die Montage. Ein Solarzaun ersetzt eine ohnehin nötige Einfriedung; wirtschaftlich zählt deshalb nur der Mehrpreis gegenüber dem Zaun ohne Module. Der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG gilt auch für Zaunanlagen an Wohngebäuden.

Eignung

  • Grundstücksgrenze und Sichtschutz: Der Standardfall. Nord-Süd verlaufende Grenzen ohne Hecke oder Nachbargebäude in Modulnähe liefern das beste Ergebnis.
  • Lärmschutz: Ein offener Modulzaun ist keine Lärmschutzwand; PV auf einer echten Lärmschutzwand hat eine eigene Kategorie in § 48 EEG.
  • Weidezaun und Agri-PV: Vertikale Reihen im Grünland lassen Beweidung und Mahd zu; Fraunhofer ISE sieht auf Dauergrünland ein technisches Potenzial von 1,2 TW bei 0,25 MWp je Hektar. Ein einzelner Weidezaun ist noch keine Agri-PV-Anlage nach DIN SPEC 91434.
  • Ergänzung zur Dachanlage: Der Zaun glättet als Ost-West-Komponente das Tagesprofil und senkt den Speicherbedarf.

Solarzäune im Marktstammdatenregister

Das MaStR kennt vier Werte im Feld ArtDerSolaranlage: Gebäude, Freifläche, gebäudeintegriert und steckerfertig. Einen Code für Solarzäune gibt es nicht; die meisten Betreiber wählen Freifläche. Eine Auswertung von solarzubau.de vom April 2026 isoliert daraus das Zaun-Segment:

LeistungsklasseAnlagenTypische Nutzung
bis 2 kWp1.567Einzelne Zaunmodule, Gartenpanels
2 bis 5 kWp960Kurze Solarzäune, Terrassen
5 bis 10 kWp2.560Standard-Solarzaun am Eigenheim
10 bis 20 kWp925Lange Zäune, kleine Carports
20 bis 30 kWp532Große Carports, Agri-PV-Piloten

Zusammen sind das 6.544 Anlagen mit 51 MW, im Mittel 7,8 kW: 29,9 Prozent aller Freiflächenanlagen nach Stückzahl, aber 0,1 Prozent der Freiflächenleistung. Bayern führt mit 1.430 Micro-Freiflächenanlagen vor Nordrhein-Westfalen (926), Hessen (675) und Baden-Württemberg (636). Die Zahl ist eine Untergrenze: Solarzäune, die nach dem Clearingstellen-Votum als Anlage an einer baulichen Anlage registriert wurden, laufen im MaStR unter Gebäude und sind statistisch nicht zu trennen.

Häufige Fragen

Wie viel Ertrag bringt ein Solarzaun im Vergleich zum Dach?

Pro kWp erreicht ein bifazialer Ost-West-Solarzaun rund 70 bis 90 Prozent des Ertrags einer nach Süden geneigten Dachanlage, abhängig von Bifazialitätsfaktor, Bodenreflexion und Verschattung. Ein nach Süden gerichteter vertikaler Zaun liegt nach Fraunhofer ISE etwa 29 Prozent unter einem 45-Grad-Süddach. Pro laufendem Meter mit einem hochkant gestellten 450-Wp-Modul sind je nach Standort 280 bis 380 kWh im Jahr realistisch.

Braucht ein Solarzaun eine Baugenehmigung?

Im Innenbereich sind Einfriedungen bis 2 Meter Höhe nach der Musterbauordnung und den meisten Landesbauordnungen verfahrensfrei. Gebäudeunabhängige Solaranlagen sind in der MBO bis 3 Meter Höhe und 9 Meter Länge freigestellt, längere Solarzäune fallen also unter die Einfriedungsregel. Im Außenbereich nach § 35 BauGB ist fast immer ein Bauantrag nötig. Bebauungspläne und örtliche Satzungen können Höhe, Material und Lage von Einfriedungen zusätzlich vorschreiben; Nachbarrecht und Blendwirkung sind gesondert zu prüfen.

Bekommt ein Solarzaun die EEG-Vergütung für Gebäude oder für Freiflächen?

Die Clearingstelle EEG|KWKG hat im Votum 2023/21-I einen einbetonierten, rund 2 Meter hohen Stabgitterzaun als sonstige bauliche Anlage nach § 48 Abs. 1 EEG eingestuft. Voraussetzung ist, dass der Zaun vorrangig als Einfriedung errichtet wurde und auch ohne Module gebaut worden wäre. Dann gilt der Anlagentyp Gebäude beziehungsweise sonstige bauliche Anlage, kein Bebauungsplan ist nötig. Ein ausschließlich zur Stromerzeugung errichteter Modulzaun kann dagegen als Freiflächenanlage gelten und ist dann nur auf den Flächen des § 37 EEG vergütungsfähig.

Wie viele Solarzäune gibt es in Deutschland?

Das Marktstammdatenregister kennt keinen eigenen Anlagentyp für Solarzäune. Eine Auswertung von solarzubau.de vom April 2026 zeigt 6.544 aktive Freiflächenanlagen mit höchstens 30 kWp und einer Durchschnittsleistung von 7,8 kW, davon 2.560 in der für Solarzäune typischen Klasse 5 bis 10 kWp. Bayern führt mit 1.430 solcher Anlagen vor Nordrhein-Westfalen (926) und Hessen (675). Solarzäune, die als Gebäudeanlage registriert wurden, sind darin nicht enthalten.
Themen:
SolarzaunZaun-PVBifaziale ModuleVertikale PVEinfriedung