Solarzaun: Ertrag, Kostenfaktoren, Genehmigung, Netzanschluss
Ein Solarzaun (Zaun-PV, PV-Zaun) besteht aus senkrecht aufgestellten bifazialen Glas-Glas-Modulen, die zugleich als Grundstückseinfriedung dienen. In Ost-West-Ausrichtung liefern sie pro kWp rund 70 bis 90 Prozent des Ertrags einer Süddachanlage, verteilt auf eine Morgen- und eine Abendspitze mit flacher Mittagsdelle. Einfriedungen bis 2 Meter sind in den meisten Landesbauordnungen im Innenbereich verfahrensfrei, Netzanschluss und MaStR-Registrierung laufen wie bei einer Dachanlage. Im Marktstammdatenregister sind rund 6.500 Freiflächenanlagen unter 30 kWp registriert, das statistische Zuhause der Solarzäune.
Funktionsweise
Ein Solarzaun (auch Zaun-PV oder PV-Zaun) ersetzt die Füllung eines Zauns durch senkrecht stehende Photovoltaikmodule. Pfosten, Fundament und Verkabelung bilden die Einfriedung, die Module liefern Strom und Sichtschutz. Anders als Dach- oder Freiflächenanlagen trifft das Sonnenlicht nur in flachem Winkel auf die Modulfläche; deshalb werden fast ausschließlich bifaziale Module in Glas-Glas-Bauweise eingesetzt, die auf Vorder- und Rückseite Strom erzeugen.
| Komponente | Übliche Auslegung |
|---|---|
| Module | Bifaziale Glas-Glas-Module, 430 bis 550 Wp, Bifazialitätsfaktor 70 bis über 90 % |
| Aufstellung | Hochkant (Modul 1,1 m breit, 2,3 m hoch) oder quer (2,3 m breit, 1,1 m hoch) |
| Ausrichtung | Modulflächen nach Ost und West, Zaunverlauf Nord-Süd |
| Leistung je Meter | rund 190 Wp (quer) bis 400 Wp (hochkant) |
| Wechselrichter | Bis 800 W Mikrowechselrichter, darüber String-Wechselrichter wie bei einer Dachanlage |
| Unterkonstruktion | Alu- oder Stahlpfosten, Punktfundamente oder Rammpfähle, Klemmhalter für rahmenlose Module |
Die Ost-West-Ausrichtung ist der Normalfall: Die Ostseite arbeitet am Vormittag, die Westseite am Nachmittag, beide erhalten diffuses Licht und Bodenreflexion. Ein Zaun mit Südseite nutzt nur eine Modulseite voll und verliert im Sommer mittags durch den steilen Sonnenstand.
Ertrag: vertikal gegen Dach
Fraunhofer ISE beziffert den Jahresertrag einer vertikalen Südfläche auf rund 29 Prozent unter einem Süddach mit 45 Grad Neigung. Für senkrechte bifaziale Ost-West-Module nennt das Institut Vollbenutzungsstunden in der Größenordnung von 2.000 bei hohem DC/AC-Verhältnis des Wechselrichters, weil die dominante Mittagsspitze fehlt. Für die Praxis am Zaun ergibt das folgende Einordnung pro kWp, bezogen auf ein optimal geneigtes Süddach am selben Standort:
| Aufstellung | Jahresertrag je kWp | Tagesprofil |
|---|---|---|
| Vertikal Süd, monofazial | rund 70 % | Mittagsspitze, flacher Sommer-Winter-Unterschied |
| Vertikal Ost-West, bifazial, dunkler Boden | 75 bis 85 % | Morgen- und Abendspitze, Mittagsdelle |
| Vertikal Ost-West, bifazial, heller Boden oder Schnee | 85 bis 90 % | Wie oben, höherer Rückseitenanteil |
| Vertikal Nord-Süd (Flächen nach Nord und Süd) | 55 bis 65 % | Nur eine Seite produktiv |
Der Wert hängt an drei Größen: Bifazialitätsfaktor des Moduls, Albedo des Bodens (Rasen rund 20 Prozent, Kies 30 Prozent, Schnee über 70 Prozent) und Verschattung durch Hecken, Gebäude oder Pfosten. Der eigentliche Vorteil ist das Tagesprofil: Nach Fraunhofer ISE und HTWK Leipzig erzeugen vertikale Ost-West-Module bei direkter Sonne vormittags und nachmittags deutlich mehr als mittags. Für den Eigenverbrauch fällt der Strom näher an den Lastspitzen eines Haushalts an, bei negativen Börsenpreisen um die Mittagszeit entfällt weniger Erlös als bei einer Südanlage. Im Winter trifft die flach stehende Sonne die senkrechte Fläche günstiger als ein Flachdach, und Schnee bleibt kaum liegen.
Pro laufendem Meter mit hochkant stehenden 450-Wp-Modulen sind bei 700 bis 950 kWh/kWp etwa 280 bis 380 kWh im Jahr zu erwarten, quer montiert rund die Hälfte.
Höhe, Statik, Windlast
Ein Solarzaun ist eine geschlossene Wand mit großer Angriffsfläche. Die Windlast ist nach DIN EN 1991-1-4 mit Nationalem Anhang zu bemessen; Windzone, Geländekategorie, Zaunhöhe und die Eck- und Endfelder bestimmen Pfostenprofil, Pfostenabstand und Fundament. Systemanbieter liefern Typenstatiken, beim Eigenbau auf Stabmattenpfosten fehlt dieser Nachweis. Hinzu kommen Erdung und Potenzialausgleich der Metallkonstruktion sowie der Berührschutz der Verkabelung an einer öffentlich zugänglichen Fläche.
Genehmigung
Baurechtlich ist ein Solarzaun eine Einfriedung mit Solaranlage. Die Musterbauordnung stellt in § 61 Abs. 1 Nr. 7 Mauern und Einfriedungen bis 2 Meter Höhe außerhalb des Außenbereichs verfahrensfrei; gebäudeunabhängige Solaranlagen sind nach Nr. 3 bis 3 Meter Höhe und 9 Meter Gesamtlänge freigestellt. Nach § 6 Abs. 8 MBO dürfen Solaranlagen bis 3 Meter Höhe und 9 Meter Länge je Grundstücksgrenze in den Abstandsflächen stehen, geschlossene Einfriedungen bis 2 Meter ohnehin. Die Länder haben diese Regeln unterschiedlich übernommen; Bayern (Art. 57 BayBO) und Nordrhein-Westfalen (§ 62 BauO NRW) weichen in Höhen und Längen ab, deshalb gilt immer die Landesbauordnung des Standorts.
| Prüfpunkt | Was gilt |
|---|---|
| Innenbereich, bis 2 m Höhe | In der Regel verfahrensfrei, Bauvorschriften gelten trotzdem |
| Höher als 2 m oder Außenbereich (§ 35 BauGB) | Bauantrag erforderlich, im Außenbereich ist ein Solarzaun nicht privilegiert |
| Bebauungsplan oder Einfriedungssatzung | Kann Höhe, Material, Lage und Sichtschutz vorschreiben |
| Nachbarrecht | Grenzabstände und Einfriedungspflichten nach Landesnachbarrecht, Zustimmung ersetzt keine Prüfung |
| Blendung | Bei Lage an Straßen oder Nachbarfenstern Blendgutachten einplanen |
| Denkmalschutz, Ortsgestaltung | Gestaltungssatzungen prüfen |
Mehr zum Rahmen im Beitrag Baurecht für PV.
Netzanschluss und EEG-Vergütung
Netzseitig gilt dasselbe wie für eine Dachanlage: Anmeldung beim Netzbetreiber vor Baubeginn, Wechselrichter nach VDE-AR-N 4105, Registrierung im Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Bis 800 Watt kann ein Solarzaun als Steckersolargerät betrieben werden.
Für die EEG-Einordnung ist das Votum 2023/21-I der Clearingstelle EEG|KWKG vom 4. Januar 2024 maßgeblich. Ein rund 2 Meter hoher, einbetonierter Stabgitterzaun mit Modulen ist danach eine sonstige bauliche Anlage im Sinne von § 48 Abs. 1 EEG, wenn der Zaun vorrangig als Einfriedung und Sichtschutz errichtet wurde und auch ohne Photovoltaik in vergleichbarer Form entstanden wäre. Der Netzbetreiber hatte die Vergütung verweigert, weil er eine Freiflächenanlage ohne Bebauungsplan sah; die Clearingstelle widersprach. Ein Modulzaun, der nur zur Stromerzeugung aufgestellt wird, erfüllt diese Voraussetzung nicht automatisch und kann als Freiflächenanlage gelten, die nur auf Flächen nach § 37 EEG vergütungsfähig ist. Zwei Anlagen auf demselben Grundstück dürfen nach § 24 Abs. 3 EEG über einen gemeinsamen Zähler abgerechnet werden.
Kostenfaktoren
Die Kosten je laufendem Meter streuen stark. Treiber sind die Modulgröße und Montageart (hochkant verdoppelt Leistung und Modulzahl je Meter), das Pfostensystem (Aluminium-Systemprofil gegen Stabmattenpfosten), Fundamente oder Rammpfähle, die Kabelführung über die gesamte Zaunlänge, der Wechselrichter und die Montage. Ein Solarzaun ersetzt eine ohnehin nötige Einfriedung; wirtschaftlich zählt deshalb nur der Mehrpreis gegenüber dem Zaun ohne Module. Der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG gilt auch für Zaunanlagen an Wohngebäuden.
Eignung
- Grundstücksgrenze und Sichtschutz: Der Standardfall. Nord-Süd verlaufende Grenzen ohne Hecke oder Nachbargebäude in Modulnähe liefern das beste Ergebnis.
- Lärmschutz: Ein offener Modulzaun ist keine Lärmschutzwand; PV auf einer echten Lärmschutzwand hat eine eigene Kategorie in § 48 EEG.
- Weidezaun und Agri-PV: Vertikale Reihen im Grünland lassen Beweidung und Mahd zu; Fraunhofer ISE sieht auf Dauergrünland ein technisches Potenzial von 1,2 TW bei 0,25 MWp je Hektar. Ein einzelner Weidezaun ist noch keine Agri-PV-Anlage nach DIN SPEC 91434.
- Ergänzung zur Dachanlage: Der Zaun glättet als Ost-West-Komponente das Tagesprofil und senkt den Speicherbedarf.
Solarzäune im Marktstammdatenregister
Das MaStR kennt vier Werte im Feld ArtDerSolaranlage: Gebäude, Freifläche, gebäudeintegriert und steckerfertig. Einen Code für Solarzäune gibt es nicht; die meisten Betreiber wählen Freifläche. Eine Auswertung von solarzubau.de vom April 2026 isoliert daraus das Zaun-Segment:
| Leistungsklasse | Anlagen | Typische Nutzung |
|---|---|---|
| bis 2 kWp | 1.567 | Einzelne Zaunmodule, Gartenpanels |
| 2 bis 5 kWp | 960 | Kurze Solarzäune, Terrassen |
| 5 bis 10 kWp | 2.560 | Standard-Solarzaun am Eigenheim |
| 10 bis 20 kWp | 925 | Lange Zäune, kleine Carports |
| 20 bis 30 kWp | 532 | Große Carports, Agri-PV-Piloten |
Zusammen sind das 6.544 Anlagen mit 51 MW, im Mittel 7,8 kW: 29,9 Prozent aller Freiflächenanlagen nach Stückzahl, aber 0,1 Prozent der Freiflächenleistung. Bayern führt mit 1.430 Micro-Freiflächenanlagen vor Nordrhein-Westfalen (926), Hessen (675) und Baden-Württemberg (636). Die Zahl ist eine Untergrenze: Solarzäune, die nach dem Clearingstellen-Votum als Anlage an einer baulichen Anlage registriert wurden, laufen im MaStR unter Gebäude und sind statistisch nicht zu trennen.
Häufige Fragen
Wie viel Ertrag bringt ein Solarzaun im Vergleich zum Dach?
Braucht ein Solarzaun eine Baugenehmigung?
Bekommt ein Solarzaun die EEG-Vergütung für Gebäude oder für Freiflächen?
Wie viele Solarzäune gibt es in Deutschland?
Quellen
- Fraunhofer ISE, Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026 (PDF)
- Fraunhofer ISE, Agri-Photovoltaik: Chance für Landwirtschaft und Energiewende, Leitfaden 4. Auflage Juni 2025 (PDF)
- pv magazine, HTWK Leipzig: Vertikal installierte bifaziale Solarmodule in Ost-West-Ausrichtung verringern den Speicherbedarf (20.07.2022)
- Clearingstelle EEG|KWKG, Votum 2023/21-I: Solaranlagen auf baulicher Anlage (IX), Zaunsolaranlage
- pv magazine, Clearingstelle EEG: Ein Solarzaun ist Photovoltaik auf einer sonstigen baulichen Anlage (29.01.2024)
- § 48 EEG 2023, Solare Strahlungsenergie (gesetze-im-internet.de)
- § 35 BauGB, Bauen im Außenbereich (gesetze-im-internet.de)
- Bauministerkonferenz, Musterbauordnung (MBO), § 6 Abstandsflächen und § 61 verfahrensfreie Bauvorhaben (PDF)
- Marktstammdatenregister (Bundesnetzagentur)