Zum Inhalt springen
Solarzubau Deutschland Logo
Wirtschaft Fortgeschritten · Zuletzt aktualisiert: 29.10.2026

Gewerbliche PV-Anlage

Gewerbliche Dachanlagen sind Gebäudeanlagen über 30 kWp auf Hallen, Büro- und Logistikgebäuden. Nach MaStR-Daten gingen in den zwölf Monaten bis Oktober 2026 rund 14.000 solcher Anlagen mit 2,4 GW ans Netz. Ab 100 kW gilt Direktvermarktungspflicht, ab 750 kW Ausschreibungspflicht; der Netzanschluss wechselt ab 135 kW in die Mittelspannung. Wirtschaftlich entscheidet das Lastprofil des Betriebs über die Eigenverbrauchsquote.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Gesetze, Fördersätze und Fristen ändern sich; maßgeblich ist der jeweils aktuelle Gesetzestext bzw. die Auskunft der zuständigen Stelle.

Was ist eine gewerbliche PV-Anlage?

Eine Gebäudeanlage, deren Strom überwiegend von einem Betrieb genutzt oder von einem Unternehmen vermarktet wird. Eine gesetzliche Definition gibt es nicht; die Grenzen setzen Steuerrecht und EEG. solarzubau.de führt in seiner Segmentauswertung des Marktstammdatenregisters alle Gebäudeanlagen über 30 kWp als Gewerbesegment, abgegrenzt vom Heimsegment bis 30 kWp (steuerbefreit nach § 3 Nr. 72 EStG) und von Freiflächenanlagen. Typische Anlagen liegen zwischen 30 und 750 kW; darüber beginnt die Ausschreibungspflicht, und die Projekte werden wie Kraftwerke entwickelt.

SchwelleWirkung
über 30 kWpEnde der Einkommensteuerbefreiung, Gewerbeertrag wird relevant
ab 100 kWDirektvermarktungspflicht, Fernsteuerbarkeit
ab 135 kWAnschluss nach VDE-AR-N 4110 in der Mittelspannung
über 750 kWAusschreibungspflicht für Gebäudeanlagen (§ 22 Abs. 3 Nr. 1a EEG)

Zubau nach MaStR-Daten

Datenstand 27. Oktober 2026, bundesweit, Gebäudeanlagen über 30 kWp:

KennzahlLetzte 12 MonateVorjahreszeitraum
Neue Anlagen13.97022.017
Neue Leistung2.429 MW3.607 MW
Mittlere Anlagengröße174 kW164 kW
Anteil am gesamten PV-Zubau13,7 %21,0 %

Der Bestand umfasst 283.032 Anlagen mit 35,0 GW, das sind 26,6 Prozent der installierten PV-Leistung von 131,7 GW bei nur 4,4 Prozent der Anlagen. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist real, aber überzeichnet: Betreiber haben einen Monat Zeit für die Registrierung, Netzbetreiber melden teils später nach, sodass die jüngsten Monate in jeder Auswertung zu niedrig erscheinen. Der Trend passt zur Marktlage: niedrige Marktwerte an Sommermittagen, die Nullvergütung bei negativen Strompreisen und die Unsicherheit über das EEG 2027 bremsen Projekte, die auf Einspeisung angewiesen sind. Monatliche Zahlen je Segment zeigt die Deutschland-Übersicht.

Eigenverbrauch und Lastprofil

Im Gewerbe entscheidet das Lastprofil, nicht der Jahresverbrauch. Büros, Werkstätten und Produktion verbrauchen montags bis freitags zwischen 7 und 18 Uhr, also im Erzeugungsfenster. Die Anlage wird auf die werktägliche Grundlast ausgelegt, nicht auf die Dachfläche:

BetriebstypLastprofilErreichbare Eigenverbrauchsquote ohne Speicher
Kühlhaus, Rechenzentrumkonstant, 7 Tage80–95 %
Supermarkt, Lebensmittelhandel6–7 Tage, Kühlung70–90 %
Produktion, Einschichtwerktags, Tagspitze60–80 %
Büro, Verwaltungwerktags, Tagspitze, Wochenende leer50–70 %
Landwirtschaft, Lagerhallesaisonal, gering20–40 %

Wer die Dachfläche voll belegt, speist den Überschuss ein und erhält dafür den anzulegenden Wert in der Direktvermarktung; wer knapp auslegt, verschenkt Dachfläche, die später nur teuer nachbelegt werden kann. Speicher lohnen sich im Gewerbe meist nicht zur Verschiebung von PV-Strom, sondern zum Peakshaving des Leistungspreises.

Vergütung, Direktvermarktung, Ausschreibung

Bis 100 kW kann der Betreiber die feste Einspeisevergütung wählen. Darüber gilt die Direktvermarktung mit Marktprämie; der Direktvermarkter verkauft den Strom an der Börse, die Prämie füllt bis zum anzulegenden Wert auf.

LeistungAnzulegender Wert TeileinspeisungAnzulegender Wert Volleinspeisung
bis 100 kW5,84 ct/kWh10,64 ct/kWh
bis 400 kW5,84 ct/kWh8,85 ct/kWh
bis 1.000 kW5,84 ct/kWh7,63 ct/kWh

Werte für Inbetriebnahmen vom 1. August bis 31. Dezember 2026 nach Bundesnetzagentur. Die im Solarpaket I vorgesehene Anhebung um 1,5 ct/kWh für Anlagen ab 40 kW ist mangels beihilferechtlicher Genehmigung weiterhin nicht wirksam. Für Volleinspeisung über 100 kW muss die Anlage ab Beginn fernsteuerbar sein (§ 10b EEG); in Stunden mit negativen Börsenpreisen entfällt die Prämie.

Gebäudeanlagen über 750 kW erhalten eine Förderung nur mit Zuschlag aus den Ausschreibungen des zweiten Segments. Der Höchstwert liegt 2026 bei 10,00 ct/kWh; die gewichteten Zuschlagswerte lagen im Februar 2026 bei 9,56 und im Juni 2026 bei 9,72 ct/kWh. Alternativ können große Dachanlagen außerhalb des EEG über PPA vermarktet werden.

Netzanschluss und Messung

Bis 135 kW Einspeiseleistung erfolgt der Anschluss nach VDE-AR-N 4105 in der Niederspannung, darüber nach VDE-AR-N 4110 in der Mittelspannung mit eigener Übergabestation oder Anschluss an eine vorhandene Trafostation des Betriebs. Für den Mittelspannungsanschluss ist ein Anlagenzertifikat erforderlich, das Netzrückwirkungen und Schutzkonzept nachweist; die Netzverträglichkeitsprüfung des Netzbetreibers dauert nach § 8 EEG bis zu acht Wochen nach Eingang der vollständigen Unterlagen, bei Netzausbau deutlich länger.

AnschlussgrößeMessung
bis 63 A, rund 43 kVADirektmessung mit Zweirichtungszähler oder iMSys
über 63 AWandlermessung mit Stromwandlern im Zählerschrank oder der Übergabestation
Bezug über 100.000 kWh/Jahrregistrierende Leistungsmessung (RLM) im Viertelstundentakt

Für Anlagen ab 100 kW ist das intelligente Messsystem Pflicht, über das Direktvermarkter und Netzbetreiber die Anlage steuern. Die Wandlermessung muss der Messstellenbetreiber einplanen; Lieferzeiten für Wandlerschränke und Übergabestationen bestimmen oft den Fertigstellungstermin.

Steuern und Förderung

Oberhalb von 30 kWp sind Erträge einkommensteuerpflichtig und zählen zum Gewerbeertrag; der Gewerbesteuer-Freibetrag von 24.500 Euro gilt nur für Personenunternehmen. Der Kauf unterliegt der Regelbesteuerung mit Vorsteuerabzug; der Nullsteuersatz greift bei Gewerbegebäuden nur für Anlagen bis 30 kWp, Details im Eintrag Umsatzsteuer.

Zuschüsse des Bundes gibt es für gewerbliche Dachanlagen nicht. Finanziert wird über den KfW-Kredit 270, der bis zu 100 Prozent der Investition bei Laufzeiten bis 30 Jahre abdeckt, ergänzt um Landesprogramme und die Sonderabschreibung nach § 7g EStG für kleine und mittlere Unternehmen. In mehreren Bundesländern verpflichtet die Solarpflicht Neubauten und Dachsanierungen von Gewerbegebäuden ohnehin zur Belegung.

Planungshinweise

  • Dachzustand: Hallen aus den 1960er- bis 1980er-Jahren haben oft Asbestzementdächer, auf denen die Montage verboten ist; siehe Dachsanierung vor PV.
  • Dachlast: Trapezblech- und Flachdächer bieten wenig Reserve; Ost-West-Systeme nach dem Eintrag PV auf dem Flachdach reduzieren den Ballast.
  • Brandschutz: Feuerwehrschalter, Kennzeichnung und Abstände zu Brandwänden gehören in die Planung, siehe Brandschutz.
  • Versicherung: Die Anlage wird in die Gebäude- oder eine Allgefahrenversicherung aufgenommen; Ertragsausfall ist gesondert zu versichern.

Häufige Fragen

Ab welcher Größe muss eine Gewerbeanlage in die Direktvermarktung?

Die feste Einspeisevergütung nach § 21 EEG gilt nur für Anlagen bis 100 kW. Darüber muss der eingespeiste Strom über einen Direktvermarkter an der Börse verkauft werden; die Marktprämie gleicht die Differenz zum anzulegenden Wert aus. Die Anlage muss nach § 10b EEG fernsteuerbar sein. Für Teileinspeisung liegt der anzulegende Wert für Inbetriebnahmen von August bis Dezember 2026 bei 5,84 ct/kWh zwischen 40 und 1.000 kW.

Wie groß ist der Zubau gewerblicher Dachanlagen?

Nach Auswertung des Marktstammdatenregisters durch solarzubau.de wurden in den zwölf Monaten bis Oktober 2026 bundesweit 13.970 Gebäudeanlagen über 30 kWp mit zusammen 2.429 MW registriert, im Mittel 174 kW je Anlage. Das sind 13,7 Prozent des gesamten PV-Zubaus von 17.673 MW. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 22.017 Anlagen und 3.607 MW ist das ein Rückgang um ein Drittel, der durch Nachmeldungen der letzten Monate noch etwas kleiner ausfallen wird.

Lohnt sich Eigenverbrauch im Gewerbe mehr als im Haushalt?

In der Regel ja, weil Produktions- und Bürobetriebe tagsüber an Werktagen verbrauchen, wenn die Anlage erzeugt. Bei einer Auslegung auf die Grundlast des Betriebs sind Eigenverbrauchsquoten von 60 bis 80 Prozent ohne Speicher erreichbar. Entscheidend ist das Lastprofil: Kühlhäuser, Supermärkte und Schichtbetriebe erreichen hohe Quoten, Betriebe mit Wochenendruhe und Betriebsferien im Sommer niedrigere.
Themen:
GewerbeDachanlageDirektvermarktungAusschreibungEigenverbrauchNetzanschlussMaStR