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Wirtschaft Einsteiger · Zuletzt aktualisiert: 29.07.2026

Autarkiegrad

Der Autarkiegrad gibt an, welcher Anteil des gesamten Strombedarfs durch die eigene PV-Anlage gedeckt wird. Mit Speicher sind 70–85 % Autarkie realistisch — vollständige Unabhängigkeit (100 %) ist in Deutschland wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Was ist der Autarkiegrad?

Der Autarkiegrad misst, wie unabhängig ein Haushalt vom öffentlichen Stromnetz ist. Er gibt den Anteil des gesamten Strombedarfs an, der durch die eigene PV-Anlage gedeckt wird.

Autarkiegrad (%) = Selbst verbrauchter Solarstrom / Gesamter Strombedarf × 100

Autarkiegrad vs. Eigenverbrauchsquote

Die beiden Kennzahlen werden häufig verwechselt. Sie haben denselben Zähler – den selbst verbrauchten Solarstrom – aber unterschiedliche Nenner:

KennzahlFormelFrageAusführlich
Eigenverbrauchsquoteselbst verbrauchter Solarstrom / erzeugter SolarstromWie viel meines Solarstroms nutze ich selbst?Eigenverbrauchsquote
Autarkiegradselbst verbrauchter Solarstrom / gesamter StrombedarfWie viel meines Strombedarfs decke ich selbst?dieser Eintrag

Ein Beispiel: Eine 10-kWp-Anlage erzeugt 10.000 kWh, der Haushalt verbraucht 5.000 kWh. Ohne Speicher nutzt der Haushalt 2.000 kWh solar, der Rest fließt ins Netz.

Die beiden Kennzahlen bewegen sich gegenläufig: Eine größere Anlage hebt den Autarkiegrad und senkt zugleich die Eigenverbrauchsquote. Ein größerer Speicher hebt beide. Wer Angebote vergleicht, sollte deshalb immer prüfen, welche der beiden Zahlen genannt wird – eine „80 %“-Angabe bedeutet je nach Kennzahl etwas völlig anderes.

Typische Autarkiegrade

KonfigurationAutarkiegrad
PV ohne Speicher25–40 %
PV + Speicher (10 kWh)60–75 %
PV + Speicher + Wärmepumpe50–65 %
PV + Speicher + E-Auto (Tageslader)65–80 %
PV + großer Speicher (20+ kWh)75–85 %

Achtung: Mit Wärmepumpe sinkt der Autarkiegrad oft, weil der Gesamtstromverbrauch stark steigt — auch wenn absolut mehr Solarstrom genutzt wird.

Bandbreite in der Praxis

Die obigen Werte sind Planungsrichtwerte. In real vermessenen Anlagen ist die Streuung nach Auswertungen der HTW Berlin erheblich größer, weil Anlagengröße, Verbrauchshöhe und Lastprofil stark variieren:

KonfigurationBeobachtete BandbreiteMedian
ohne Speicher19–61 %
mit Speicher31–95 %70 %

Der Median von 70 % bei Anlagen mit Speicher deckt sich gut mit dem als wirtschaftlich optimal geltenden Zielkorridor. Die Extremwerte am oberen Rand gehören zu Haushalten mit sehr großer Anlage und vergleichsweise niedrigem Verbrauch – wirtschaftlich sind sie meist nicht die beste Auslegung.

Optimale Dimensionierung

Der Unabhängigkeitsrechner der HTW Berlin zeigt: Der Zusammenhang zwischen Speichergröße und Autarkie ist nicht linear. Die ersten kWh Speicher bringen den größten Zugewinn, danach flacht die Kurve ab.

Speichergröße (bei 10 kWp)Autarkiegrad
0 kWh~35 %
5 kWh~55 %
10 kWh~70 %
15 kWh~75 %
20 kWh~78 %
30 kWh~82 %

Ab etwa 1,5 kWh Speicher pro kWp PV-Leistung nimmt der Grenznutzen stark ab. Mehr Speicher lohnt sich wirtschaftlich kaum noch.

Wirtschaftliche Einordnung

Der optimale Autarkiegrad liegt bei 65–80 %. Höhere Werte erfordern unverhältnismäßig große Speicher, die sich innerhalb ihrer Lebensdauer nicht amortisieren. Die letzten Prozent bis 100 % Autarkie sind extrem teuer — der Restbezug aus dem Netz ist günstiger.

Häufige Fragen

Ist 100 % Autarkie mit PV möglich?

Technisch ja, wirtschaftlich nein. Für 100 % Autarkie bräuchte man einen extrem großen Speicher für die Wintermonate, der sich nie amortisiert. Optimal sind 70–85 % Autarkie — der Rest kommt günstiger aus dem Netz.

Wie viel Autarkie erreiche ich ohne Speicher?

Ohne Speicher liegt der Autarkiegrad bei 25–40 %, da Solarstrom nur tagsüber verfügbar ist. Abends, nachts und an bewölkten Tagen muss Strom aus dem Netz bezogen werden.

Was bringt mehr Autarkie — größere PV-Anlage oder größerer Speicher?

Beides zusammen wirkt am besten. Ab einer gewissen PV-Größe bringt jedes weitere kWp kaum mehr Autarkie, wenn kein Speicher vorhanden ist. Ein gut dimensionierter Speicher (1–1,5 kWh pro kWp) hebt den Autarkiegrad deutlich.

Was ist der Unterschied zwischen Autarkiegrad und Eigenverbrauchsquote?

Beide Kennzahlen haben denselben Zähler — den selbst verbrauchten Solarstrom —, aber unterschiedliche Nenner. Der Autarkiegrad teilt ihn durch den gesamten Strombedarf des Haushalts und beantwortet die Frage: Wie viel meines Bedarfs decke ich selbst? Die Eigenverbrauchsquote teilt ihn durch die gesamte Solarstromerzeugung und beantwortet: Wie viel meines Solarstroms nutze ich selbst? Eine große Anlage hebt den Autarkiegrad und senkt zugleich die Eigenverbrauchsquote.
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