Autarkiegrad
Der Autarkiegrad gibt an, welcher Anteil des gesamten Strombedarfs durch die eigene PV-Anlage gedeckt wird. Mit Speicher sind 70–85 % Autarkie realistisch — vollständige Unabhängigkeit (100 %) ist in Deutschland wirtschaftlich nicht sinnvoll.
Was ist der Autarkiegrad?
Der Autarkiegrad misst, wie unabhängig ein Haushalt vom öffentlichen Stromnetz ist. Er gibt den Anteil des gesamten Strombedarfs an, der durch die eigene PV-Anlage gedeckt wird.
Autarkiegrad (%) = Selbst verbrauchter Solarstrom / Gesamter Strombedarf × 100
Autarkiegrad vs. Eigenverbrauchsquote
Die beiden Kennzahlen werden häufig verwechselt. Sie haben denselben Zähler – den selbst verbrauchten Solarstrom – aber unterschiedliche Nenner:
| Kennzahl | Formel | Frage | Ausführlich |
|---|---|---|---|
| Eigenverbrauchsquote | selbst verbrauchter Solarstrom / erzeugter Solarstrom | Wie viel meines Solarstroms nutze ich selbst? | Eigenverbrauchsquote |
| Autarkiegrad | selbst verbrauchter Solarstrom / gesamter Strombedarf | Wie viel meines Strombedarfs decke ich selbst? | dieser Eintrag |
Ein Beispiel: Eine 10-kWp-Anlage erzeugt 10.000 kWh, der Haushalt verbraucht 5.000 kWh. Ohne Speicher nutzt der Haushalt 2.000 kWh solar, der Rest fließt ins Netz.
- Eigenverbrauchsquote: 2.000 / 10.000 = 20 %
- Autarkiegrad: 2.000 / 5.000 = 40 %
Die beiden Kennzahlen bewegen sich gegenläufig: Eine größere Anlage hebt den Autarkiegrad und senkt zugleich die Eigenverbrauchsquote. Ein größerer Speicher hebt beide. Wer Angebote vergleicht, sollte deshalb immer prüfen, welche der beiden Zahlen genannt wird – eine „80 %“-Angabe bedeutet je nach Kennzahl etwas völlig anderes.
Typische Autarkiegrade
| Konfiguration | Autarkiegrad |
|---|---|
| PV ohne Speicher | 25–40 % |
| PV + Speicher (10 kWh) | 60–75 % |
| PV + Speicher + Wärmepumpe | 50–65 % |
| PV + Speicher + E-Auto (Tageslader) | 65–80 % |
| PV + großer Speicher (20+ kWh) | 75–85 % |
Achtung: Mit Wärmepumpe sinkt der Autarkiegrad oft, weil der Gesamtstromverbrauch stark steigt — auch wenn absolut mehr Solarstrom genutzt wird.
Bandbreite in der Praxis
Die obigen Werte sind Planungsrichtwerte. In real vermessenen Anlagen ist die Streuung nach Auswertungen der HTW Berlin erheblich größer, weil Anlagengröße, Verbrauchshöhe und Lastprofil stark variieren:
| Konfiguration | Beobachtete Bandbreite | Median |
|---|---|---|
| ohne Speicher | 19–61 % | — |
| mit Speicher | 31–95 % | 70 % |
Der Median von 70 % bei Anlagen mit Speicher deckt sich gut mit dem als wirtschaftlich optimal geltenden Zielkorridor. Die Extremwerte am oberen Rand gehören zu Haushalten mit sehr großer Anlage und vergleichsweise niedrigem Verbrauch – wirtschaftlich sind sie meist nicht die beste Auslegung.
Optimale Dimensionierung
Der Unabhängigkeitsrechner der HTW Berlin zeigt: Der Zusammenhang zwischen Speichergröße und Autarkie ist nicht linear. Die ersten kWh Speicher bringen den größten Zugewinn, danach flacht die Kurve ab.
| Speichergröße (bei 10 kWp) | Autarkiegrad |
|---|---|
| 0 kWh | ~35 % |
| 5 kWh | ~55 % |
| 10 kWh | ~70 % |
| 15 kWh | ~75 % |
| 20 kWh | ~78 % |
| 30 kWh | ~82 % |
Ab etwa 1,5 kWh Speicher pro kWp PV-Leistung nimmt der Grenznutzen stark ab. Mehr Speicher lohnt sich wirtschaftlich kaum noch.
Wirtschaftliche Einordnung
Der optimale Autarkiegrad liegt bei 65–80 %. Höhere Werte erfordern unverhältnismäßig große Speicher, die sich innerhalb ihrer Lebensdauer nicht amortisieren. Die letzten Prozent bis 100 % Autarkie sind extrem teuer — der Restbezug aus dem Netz ist günstiger.